Das Kabelwerk hat eine mehr als 100 jährige Geschichte. Die erste elektrische Lampe im Wiener Volksgarten 1880 veranlasste Otto Bondy zum Einstieg ins Kabel-Geschäft.
Die Geschichte des Kabelwerks ist untrennbar mit dem 1844 geborenen Otto Bondy verbunden. Ottos Vater Aron (Anton) Bondy war Metallhändler, Fabrikant und Hausbesitzer in Tschechien. Otto hatte 9 Geschwister. Er heiratete 1878 in Breslau (Polen) die aus dieser Gegend stammende Julie Cassirer. Sie bekamen mehrere Kinder. Kurz nach der Geburt von seinem Sohn Walter Bondy zog die Familie nach Wien, wo Otto Bondy in der Penzinger Straße im Wiener Vorort Penzing 1882 seine Firma als Vertretung eines Tschechischen Messingwerks eröffnete. Besonders erwähnenswert ist zB 1887 der Auftrag über die vollständige elektrische Beleuchtung der Wiener Hofoper. Auch umfangreicher Export in fast alle Länder der Österreich-Ungarischen Monarchie sind historisch belegt.
Ab 1888 fing Otto Bondy mit der Produktion von Kabeln, aber auch Metall-Teilen („Posamenten“) für die Textil-Industrie an. Hergestellt wurden isolierte Leitungen und Kabel zur Übertragung von Strom, aber auch der Übermittlung von Nachrichten/Telekommunikation.
Die Geschäfte liefen sehr gut. Otto Bondy benötigte aber für die weitere Expansion Geld. Mit Hilfe des Wiener Bankenvereins und mehreren andere Interessenten wurde das Einzelunternehmen „Otto Bondy“ 1895 in eine ungarische Aktiengesellschaft, die „Kabel-Fabrik AG“ mit Sitz in Bratislava umgewandelt. Diese Konstruktion war damals aus steuerlichen Gründen üblich. Ab 1896 wurde somit neben dem Werk in Wien auch in einem Werk in Bratislava produziert. Der Österreichische Betrieb wurde am 5. März 1897, 15 Jahre nach Gründung der Fabrik in Penzing als Niederlassung der ungarischen Gesellschaft unter dem Namen „Kabel- und Drahtindustrie Actiengesellschaft“ in das Handelsregister in Wien eingetragen. Dieser Tag gilt somit als die Geburtsstunde der KDAG.
Produziert wurden Stromkabeln für die „Wiener Tramway“, aber auch für Beleuchtungsanlagen in Wien, Linz, Kladno und Abbazia. Telefonkabeln wurden unter anderem nach Wien, Baden, Budapest und andere Städte der Monarchie geliefert. Exportiert wurde nach Zürich, Rotterdam, Shanghai, aber auch nach Russland und Italien.
Durch das starke Wachstum war die Betriebsstätte in Penzing relativ bald zu klein. 1903 erfolgte der Beschluß, eine neue Fabrik in der Oswaldgasse zu errichten.
Das Geschichte des jetzigen Areal des Kabelwerks geht ca. 150 Jahre zurück. Vermutlich um 1840 befanden sich hier Zuliefer-Firmen der "Wienerberger" sowie "Augarten Porzellan". Bei den Grabungen für den Stadtteil Kabelwerk sind einerseits Fundstücke (Augarten-Porzellan), als auch Brenngruben (in einigen Metern Tiefe) gefunden worden. Leider erfolgte keine wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Kapitels, sodaß dieser historische Teil des Kabelwerks nicht ausreichend dokumentiert ist.
Die Gegend rund ums Kabelwerk war 1900 noch nahezu unverbaut, aber wegen billiger Bodenpreise und auch aufgrund der Süd- und Donaulände-Bahn gut geeignet.
Die Chroniken berichten von „grundlosen Feldstraßen, auf denen das Baumaterial zugeführt wurde“. „Arbeiter mußten monatelang durch den Morast stapfen, ehe wenigstens ein Fußweg zu der Fabrik angelegt wurde, dieser erst dann, bis die Arbeiter Lärm schlugen“.
Historische Berichte sprechen von einem Pferdestall am Rande des Werksgeländes, da die Kabel mit Pferdefuhrwerken transportiert wurden.
Nach Fertigstellung des Baus 1905 erfolgte die Übersiedlung aus dem ca. 3 Kilometer entfernten Werk im 14ten Bezirk in das heutige Areal des Kabelwerks.
Die Fabrik in der Oswaldgasse wurde 1906 verkauft. Otto Bondy übersiedelte nach Wilmersdorf bei Berlin. Er war zwar nach dem Verkauf weiterhin zu einem geringen Teil an der Aktiengesellschaft beteiligt, schied aber kurz nach der Übernahme aus der Betrieb aus. Die Firma wurde nunmehr unter dem Namen „Kabelfabrik und Drahtindustrie AG Wien“ geführt. Die Inflation der zwanziger Jahre führte in Österreich zu einem Mangel an Kohle. Dies führte zum Ausbau der Wasserkraftwerke und dem Elektrischen Netz. Auch die ÖBB und die Industrie setzten auf elektrische Energie.
Die Kabeln dafür kamen teilweise von der KDAG. Auch von der Elektrifizierung der Wiener Stadtbahn und dem Aufbau des Telefonnetzes konnte die KDAG profitieren. Kabeln wurden in die ganze Welt exportiert.

1935 wurde die Firma von der „Elin AG für Elektrische Industrie“ übernommen. 1942 erfolgte die Fusion der „Kabel- und Gummiwerke AG Wuppertal Vohwinkel“ mit der Wiener Fabrik und eine Umbenennung in die „Kabel- und Drahtwerke AG“ (KDAG). Dieser Name wurde bis zur Schließung verwendet. Im Februar 1945 wurde die Fabrik bei einem Luftangriff größtenteils zerstört
Nach Ende des Kriegs – die Firma war weiterhin eine Tochterfirma der mittlerweile verstaatlichten ELIN – erfolgte der Wiederaufbau. Die Maschinen wurden repariert, oder durch modernere ersetzt. Neue Fabrikationsmethoden wurden eingeführt. Neben Kabeln wurden in dieser Zeit unter anderem auch Lockenwickler produziert. Die technischen Anforderungen wurden mit der Zeit höher. Neue Materialien wie Kunststoff-Ummantelungen oder auch Aluminium erforderten Änderungen an der Konstruktion und Anpassung der Prüfmethoden. Die Firma wurde weiter ausgebaut, der Mehrschicht-Wechselbetrieb eingeführt, so dass laufendes Wachstum erreicht wurde.
Mittlerweile wurde ein Jahresausstoß von 1500 Waggons je 10 Tonnen Kabeln erreicht – daß entspricht einem täglichen Materialumschlag von 120.000 Kilogramm. Pro Jahr wurden Fünfzehn Millionen Kilogramm Werkstoffe – darunter Kupfer, Aluminium, Blei, Bandstahl, Kunststoffe und Gummi – verarbeitet.
1989 erfolgte der Verkauf der KDAG durch die Republik Österreich an die Siemens AG Österreich. Einige Jahre später erfolgte die Fusion mit der Siemens-Tochter „Wiener Kabel und Metallwerke AG“ (WKM). 1997 wurde die Produktion der beiden Standorte zusammengelegt.
1997 erfolgte die Zusammenlegung mit einem Werk in 1210 Wien.
Das Werk in der Oswaldgasse wurde am 19. Dezember 1997 geschlossen.
Bereits 1996 begannen die Planungsarbeiten der Nachnutzung des Kabelwerk-Areals. In einem weltweit beachteten Planungsprozess wurden die Anrainer des Kabelwerks in die Planungen eingebunden.
Ab 1999 erfolgte in den stillgelegten Hallen der Kabel- und Drahtwerke AG die "Kulturelle Zwischennutzung". Während der Planungsphase bis zur Grundsteinlegung des neuen Stadtteils wurde bis 2005 das Areal für Kultuelle Zwecke genutzt.
2005 erfolgte die Grundsteinlegung des neuen "Stadtteils Kabelwerk". Die Bauphase wird voraussichtlich 2010 mit der Fertigstellung des Geriatriezentrums Meidling abgeschlossen.
Ab 2007 erfolgte die Besiedelung des Kabelwerks. Die ersten Bauteile wurden an ihre BewohnerInnen übergeben. Ein neuer Stadtteil ist enstanden.
Dieser Artikel basiert auf umfangreichen Material und Recherchen, weswegen großer Dank an das Bezirksmuseum Meidling, die Siemens AG Österreich, Niels Waller, Tano Bojankin („Kabel, Kupfer, Kunst“) und Buchner/Pamer/Bousska („Ende ist neu“) geht.
Historische Bilder des Kabelwerks - ab 1908
Viele weitere Fotos vom Kabelwerk (Grundsteinlegung bis Fertigstellung, Aktuelle Fotos)
Wohnen im Kabelwerk - Ein neuer Stadtteil entsteht in Meidling (2007)
architekTOUR: Kabelwerk
Neujahrsfeuerwerk 2009
Meidlinger Frauenpreis 2009 - Drin. Monika Hubik
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