UND KEINE HAND. ZEIT, MÖRDERIN, ALTERSLOSE - Interview mit Andreas Hutter
Unter dem Titel „Und keine Hand. Zeit, Mörderin, Alterslose“ findet ab 19.März 2010 eine Theateraufführung von Andreas Hutter und Evelyn Fuchs im Palais Kabelwerk statt.
dasKabelwerk.at hat mit Andreas Hutter über das Stück gesprochen.
dasKabelwerk.at: Hallo Herr Hutter! Worum geht es in der Theateraufführung „Und keine Hand. Zeit, Mörderin, Alterslose“ ?
Andreas Hutter: Bei dieser Theateraufführung geht es um eine Uraufführung von einem deutschen Schriftsteller, der im 20. Jahrhundert einer der berühmtesten Dramatiker war, das kann man glaub ich sagen: Heiner Müller. Heiner Müller ist sehr bekannt für seine wuchtige Sprache, für seine dramatische und auch politische Sicht der Dinge. Und ich habe für diese Theateraufführung 2 Texte von Heiner Müller ausgesucht, die eigentlich keine Theaterstücke sind, und die in dieser Form auch noch nie gespielt wurden. Daraus habe ich einen Monolog gebaut, kann man sagen, für eine Schauspielerin. Es handelt sich also um einen Monolog für eine Darstellerin, und hat auch ein ganz besonderes Thema. Denn Heiner Müller hat sich in seinem Leben und in seiner Arbeit als Theatermann immer wieder damit beschäftigt: Was könnte eine gerechte Gesellschaft sein? Und zwar abseits von politischen Systemen. Er war geboren in der ehemaligen DDR, hat dort auch gelebt, und hat durch seine Arbeit schon sehr früh die Möglichkeit gehabt, auch in westlichen Ländern zu arbeiten, auszureisen. Und er hat beide Welten sozusagen im 20. Jahrhundert kennengelernt, und das steckt in seinen Stücken drinnen.
dasKabelwerk.at: Der Titel klingt ja ungewöhnlich für eine Theateraufführung. Was ist da der Hintergrund?
Hutter: Das ist wirklich ein ungewöhnlicher Titel. „Und keine Hand. Zeit, Mörderin, Alterslose“ ist nichts anderes als ein Zitat aus dem Text, und ist ein ungewöhnliches Wortbild, wenn man so möchte, ein Vergleich, eine Metapher, für die Tatsache, daß wir in unserem Leben, oft das Gefühl bekommen, die Zeit, die uns zur Verfügung steht, um etwas zu tun, oder um etwas zu verändern, ist eigentlich zu kurz. Die Zeit ist alterslos, geht an uns vorbei, und irgendwann stellen wir fest, es hat nicht gereicht, wir sind nicht soweit gekommen, wie wir wollten.
dasKabelwerk.at: Das Stück wird ja in Belgien aufgeführt, was ist da der Hintergrund, was können Sie dazu erzählen?
Hutter: Das ist eine sehr interessante Kooperation zwischen meinem Theater „spaces“, und zwei belgischen Insitutionen, die beide in Antwerpen sind. Das eine, dort wird die ganze Probenzeit stattfinden, ist eine Art Theater-Atelier, Theater-Laboratorium für ungewöhnliche experimentelle Theaterdinge. Dazu zähle ich auch meine Aufführung, und das heisst Troubleyn und gehört dem berühmten Choreographen Jan Fabre. Und ich habe dort die Möglichkeit vier Wochen lang zu arbeiten, und an dieser Theateraufführung herum zu experimentieren, völlig frei. Ich bekomme dort einen Proberaum zur Verfügung gestellt, mit meinem kleinen Team sind wir dort vier Wochen zu Gast, und dann spielen wir die Premiere in einem befreundeten Theater, auch in Antwerpen, im „Theater Monty“. Da gibt es drei Vorstellungen, und die sind Ende Februar, und direkt im Anschluss werfen wir uns mit all unseren Dingen, Bühnenbild, Kostüm, was dazu gehört, ins Auto, fahren nach Wien und dann kommen die Wiener Vorstellungen.
dasKabelwerk.at: Was gibt es über Sie zu erzählen?
Hutter: Ich bin ein bischen ein Wandergeselle. Ich komme eigentlich aus München, bin dort 1964 geboren, und dann als Jugendlicher mit der Familie nach Madrid gegangen. Mein Vater hat beruflich dort gearbeitet, und so kam ich ein paar Jahre nach Spanien. Das war eine ganz tolle Zeit für mich, weil ich dort die Sprache gelernt habe, ein ganz anderes Land kennengelernt habe, andere Menschen. 1982 habe ich dort Matura gemacht, in Madrid, und habe mir überlegt, soll ich nach Deutschland zurück, es gibt aber auch eine andere schöne Stadt, das ist Wien. Und jetzt lebe ich seit 1982 in Österreich.
dasKabelwerk.at: Herr Hutter, ich freue mich auf die Aufführung. Vielen Dank für das Interview!
Hutter: Danke auch fürs Interview, und ich freue mich sehr auf die Vorstellungen im Palais Kabelwerk, weil der Raum – Saal 1 – dort ist ideal für unsere Aufführung.