Interview mit Luca Faccio - 3x 66 Fotos - Trilogie am Schöpfwerk
In Kürze startet die Ausstellung “3x 66 Fotos – Trilogie Am Schöpfwerk”. Eröffnung ist am 15. Jänner 2010 im Kabelwerk groundfloor in 1120 Wien. Dazu hat dasKabelwerk.at mit dem Fotokünstler Luca Faccio gesprochen.
dasKabelwerk.at: Hallo Herr Faccio! Am 15. Jänner 2010 findet die Eröffnungder „Trilogie Am Schöpfwerk“ statt. Die erste der 3 Ausstellungen hat den Titel „Blickwinkel von Mädchen und Burschen“ – worum geht’s da?
Faccio: Das Projekt am Schöpfwerk – welches eines der drei Projekte der „Trilogie Am Schöpfwerk“ ist – ist auch mit Jugendlichen realisiert. Jugendliche, die normalerweise nicht unbedingt integriert sind in unsere Sozial- und Bildungssystem. Die Idee, welche ich schon seit Jahren verfolge, und das erste Mal im Flüchtlingslager Traiskirchen verwirklicht habe,war, durch die Sprache der Fotografie Menschen zu involvieren, oder zu bewegen, Ihre eigene Meinung auch durch die Sprache der Fotografie mehr oder weniger auszudrücken oder zu sagen. Oft ist die verbale Sprache eine Barriere oder sogar ein Problem. Aber es gibt auch andere Sprachen, die unser Bildungssystem nicht so zur Verfügung stellt. Eine davon ist die Fotografie. Man sagt immer, daß man mit Fotografie mit einem Foto mehr als 1000 Worte ausdrücken kann. Und das ist wirklich wahr. Nicht nur weil die Medien so schöne schicke Bilder zeigen. Aberdurch auch dieses wirklich ganz einfache Nachdenken und Arbeiten mit einem Medium und da irgendwie eine klare Botschaft herauszubringen.
dasKabelwerk.at: Ab 23. Jänner 2010 geht es thematisch weiter mit „Frauen und ihre Kinder“ – was können Sie uns darüber erzählen?
Faccio: Es ist schon interessant, mit einer Gruppe mit Kindern und Frauen zusammenzuarbeiten. Ich möchte nicht zu viel verraten – ich kann nur sagen kommen sie in die Ausstellung. Schauen Sie sich die Bilder an. Die Bilder sind total aussagekräftig, und die Kreativität der Leute am Schöpfwerk ist einer der vielen positiven Entdeckungen, die mit der Ausstellung mehr oder weniger gezeigt werden.
dasKabelwerk.at: Abschluss der Trilogie ist ist Thema „Das Schöpfwerk von Innen“ – diese Ausstellung wird im Amtshaus Meidling am 26. Jänner eröffnet?
Faccio: Dieses Projekt in Kooperation mit der Bassena, und mit Frau Renate Schnee (Anmerkung: Leiterin der Bassena), und dem Verein Wiener Jugendzentren der Stadt Wien, ist mehr oder weniger eine Idee, die sich entwickelt hat, letztes Jahr. Und zwar, es ist immer die Frage, in diesen Betonklotzen, wie die Leute dahinter leben. Also wie sind diese Wohnungen. Die äußere Fassade ist ziemlich kalt, und nicht wirklich unbedingt schön anzuschauen. Und man denkt sich: Wie gestalten sich die Leute Ihre Wohnung. Und durch das man kann auch mehr oder weniger Spaziergänge in Wohnungen machen, die für keinen Menschen sichtbar ist, aber man kann die Menschen aber spüren. Es ist sehr interessant zu sehen, welche Bilder die Leute zB auf den Wänden hängen, welche Art von Möbel haben, welche Wärme sie ausstrahlen, diese Möbel, diese Farben, diese Bilder. Und oft auch Bilder vom Vergangenen, von Vergangenheit, von Herkunft. Und die Zusammenarbeit mit der Bassena hat im Jahr verwirklicht die Möglichkeit, diese Wohnung aufzumachen, diese Türe aufzumachen, und nicht so eindringlich zu sein. Und die Möglichkeit diesen Leuten zu geben, sich selbst zu präsentieren. In allen diesen 3 Projekten, können die Menschen selbst entscheiden was sie zu sagen haben, und wie es gezeigt wird. Und das war sehr wichtig, daß solche Projekte nicht nur in Volkshochschulen oder Universitäten stattfinden, oder in manche Schule, wo man mit künstlerischen Medien sich auseinander setzt. Aber auch in Orten, wo für die meiste Kreativität mehr oder weniger in Vergessenheit geht, weil die Leute sich abzukämpfen müssen um zu überleben. Besonders in einer Zeit mit einer Krise wie gerade jetzt.
dasKabelwerk.at: Sie sind ja in der Fotografie-Szene kein Unbekannter – erzählen Sie uns ein bischen mehr über sich?
Faccio: Naja, ich bin Fotokünstler, schon ungefähr seit 20 Jahren, angefangen mit der Pressefotografie. Gleichzeitig auch schreibend für Italienische Medien. Ich sage immer, mein Versuch ist diese Arbeiten nicht nur unter einem finanziellen Aspekt zu machen. Sondern besonders unter ethischen und ideologischen Aspekten. Nicht nur die Menschen mit Bildern fluten, die man nach einem Tag vergisst. So man sieht die Bilder, und einen Tag später hat man sie schon wieder vergessen. Sondern Bilder, die ein bisserl mehr die Beobachter ansprechen können. Diese Freiheit, die ich nicht in den Medien gehabt habe, habe ich doch in künstlerischer Fotografie gefunden. Wo ich die Möglichkeit hatte, mich mit politischen Themen auch in den Kunst-Szene irgendwie reinzubringen. Besonders – ich wiederhole – 2 Ziele, die heutige Zeit, wo es eine große Wirtschaftskrise gibt, und es verschiedene Lösungen gibt. Verschiedene Arten der Auseinandersetzung. Ich hoffe, dass meine Arbeiten dieser Auseinandersetzung einen Beitrag bringen können.
dasKabelwerk.at: Was war Ihnen bei diesem Fotoprojekt wichtig?
Faccio: Wenn man sehr viel mit großen Medienkonzernen und mit Galerien zu tun hat, man – gibt es die Gefahr, daß man ein bisserl den Boden verliert. Diese Projekte bringen mir wieder den Boden unter meine Füße. Und es tut wirklich gut sich mit Leuten auseinanderzusetzen, mit einfachen Leuten, die wohl eine gewisse Menschlichkeit haben, die wirklich über die Worte hinausgeht.
dasKabelwerk.at: Zwei der Teilnehmerinnen haben mit Ihren Bildern bei Fotowettbewerben bereits gewonnen?
Faccio: Ja. Das ist etwas, worauf ich sehr stolz bin. Auf diese zwei Frauen. Da solche Projekten funktionieren, soll man solche Projekte auch flächendeckend machen in Wien. Es gibt genug Künstler, die arbeitslos sind, und in diesen kalten Zementhäusern gibt es wirklich eine Lust auf Kunst, eine Lust auf Auseinandersetzung, eine Lust auf Raus aus diesem Grau. Und so eine Lust auf die Stadt, wieder auch einmal zu entdecken. Also das diese Leute, diese Menschen, die einfach so die Möglichkeit bekommen ein bisserl raus aus ihren Raunzen. Auch ihre eigenen Lebensumstände, die sehr hart sind. Und die versteh ich schon, aber im Leben es gibt auch schöne Sachen, was auch irgendwie manchmal ein Spaziergang sein kann, in ein Museum. Und solche Projekte geben diese Möglichkeit. Und mit dieser Möglichkeit man kann mit der Zeit eben auch Preise gewinnen. Ich bin sehr stolzund endlich mal sollten mehr Kunstprojekte in diese Richtung finanzieren werden.
dasKabelwerk.at: Herr Faccio, Vielen Dank für das Gespräch! Ich freue mich auf die Ausstellung!
Faccio: Ich bedanke mich herzlich auch für Ihr Interesse. Und ich hoffe, daß viel Publikum kommt. Ich hoffe, daß es demnächst noch viele Projekte geben wird. Die Bilder sind wirklich nicht nur schön, sie sind wirklich aussagekräftig!