(dasKabelwerk.at / 30.4.2010) "Die Schickeria der Côte d’Azure trifft sich im Club von Mr. B, um unter sich zu sein. Ob Models oder Hollywood-Größen – alle sind sie da. Betreut von Mr. Bs Sklaven Marilyn, einem Provinzflüchtling mit Ambitionen, keifen und beißen sie einander an, dass kein Auge trocken bleibt."
dasKabelwerk.at:„Zur Genüge bösartig“ – so heißt die neue Theater-Aufführung im Palais Kabelwerk, die am 11.5.2010 Premiere hat.
Werner Brix führt die Regie. Herr Brix, worum geht es in dem Stück?
Werner Brix: In diesem Stück geht es um eine handvoll Menschen, die alle miteinander nicht wirklich in der Mitte sind. Das heißt, es ist das Ganze zuerst einmal eine schrille Inszenierung über eine Schickeria, die sich an der Côte d'Azur angesiedelt haben. Der Grundgedanke der zwei Erst-Autorinnen, nämlich meiner Frau und einer mitspielenden Darstellerin war, daß man die Figur des Flavio Briatore und sein umtriebiges Leben da als Vorlage hatte im Kopf. Und ich bin dann noch hergegangen, und habe dann das Ganze noch überarbeitet, um diese Figur - wir nennen ihn Mister B. – herum gibt es eine Reihe von Menschen, die alle von dem was wollen. Alle sind von ihm unter Druck, und alle wollen sein Geld, seine Macht, seine Beziehungen in irgendeiner Form ausnutzen. Und dabei entblößen sie sich auch oft im Wahrsten Sinne des Wortes. Und da geht’s ziemlich rund. Wir haben das Ganze auch angesiedelt vom Kostüm her in einer Mischung aus Rokoko und Jetzt-Zeit. Man wird das an den üppigen Perücken erkennen am Plakat, und auf den Fotos. Und auch eine Brücke zu schlagen von dieser damals sehr egomanistischen Zeit, mit großer Üppigkeit. Und wenn man sich das Stück dann genauer anschaut, und die verzweifelten Versuche dieser Menschen an irgendwelchen Dingen festzuhalten, die für sie lebenswichtig sind, wo sich manche normale Menschen am Kopf greifen, dann hat man da schon seinen Spaß dran, glaube ich.
dasKabelwerk.at: Sie sind ja in der Theater- und Kabarettszene nicht ganz unbekannt, sag ich einmal. Für die Leute, die Sie noch nicht kennen – können Sie ein bischen mehr von Ihrem Werdegang erzählen? Brix: Ich war einmal auf einer HTL, so fangt einmal alles an. Dann war ich auch eine Zeitlang in diesem Beruf tätig, als Techniker. Aber ich habe schon nebenbei in meiner Heimatstadt Klosterneuburg Theater gespielt, mit Freunden. Und da habe ich Lunte gerochen. Da habe ich mir gedacht, ui, das gefällt mir. Und dann habe ich tatsächlich mit 27 meinen Job an den Nagel gehängt, und mit einer Schauspielausbildung begonnen, im Umfeld des Herwig Seeböcks, also teilweise bei ihm, also hauptsächlich bei seiner Frau Erika Mottl die damals noch am Volkstheater gespielt hat. Und da hat eine spannende Zeit begonnen, spannend erstens mal weil man Neuland beschreitet, und plötzlich vor Menschen Theater spielt. Spannend auch, weil es dann ums Überleben geht, wenn man kündigt, und dann sehr wenig Geld verdient. Mit Hilfe des AMS und mit Hilfe meines Durchhaltevermögens ist es dann auch bald zu Kabarettprogrammen gekommen, und gelegentlich auch mal kleine Film- und Fernsehrollen, und so bin ich jetzt langsam in die Schauspielerei hineingeschlittert. Allerdings durch mein hauptsächliches Standbein, des Kabaretts, bin ich in der Schauspielwelt immer weniger zu Hause gewesen, in den letzten Jahren, daß ich zwar nicht bereue, aber was ich jetzt vielleicht wieder ein bischen forcieren möchte.
dasKabelwerk.at: Was können Sie über die Gruppe SIC erzählen?
Brix: Die Gruppe sic hat sich herauskristallisiert aus einem Schauspiel-Workshop voriges Jahr, 2009. Ich mache solche Schauspiel-Workshops einmal im Jahr im Waldviertel. Und da war auch meine Frau nicht ganz unbeteiligt dran, daß diese Gruppe entstanden ist, weil sie eigentlich schon immer Ambitionen hatte, zu spielen, und auch die Geduld hatte, einen Kurs bei mir zu besuchen. Und das hat eigentlich überraschend gut funktioniert, auch jetzt einmal mit uns beiden. Und ich habe ihr schon öfter gesagt, du, wenn du, wenn dich die Schauspielerei interessiert, aber du jetzt nicht deinen Beruf von heute auf morgen verlassen möchtest, dann mach doch was. Tu dich zusammen mit ein paar Leuten, und einmal stell was auf die Beine. Und diesmal hat das wirklich geklappt. Und da sind aus dem Kurs heraus einige Leute zusammengekommen, plus einer Aussenstehenden noch, die auch noch dazugestoßen ist, und ja, jetzt ist das erste Stück da. Das muss man auch noch dazusagen, jenseits der Gruppe zum Stück, daß sie – ich habe es zuerst schon erwähnt – daß die das selber geschrieben haben, die zwei Damen. Und das ist, muß ich sagen, am Anfang war ich, habe ich mir gedacht, Gott was tun sich die da an, und das ist auch viel Arbeit, und es war auch natürlich viel zum Herumschrauben daran, aber das ist normal, das ist bei jedem Stück so, und da ist wirklich was Vorzeigbares draus geworden. Also wir sind jetzt schon fleissig am Proben, und ich bin neugierig, wie es ankommen wird.
dasKabelwerk.at: Sie haben ja bereits im „alten“ Kabelwerk gespielt, wie sind Sie dazu gekommen?
Brix: Mein Bezug zum Kabelwerk ist eigentlich der Hubsi Kramar, der wie wahrscheinlich ie Kabelwerk Bewohner und einige Kenner des Namens Kabelwerk wissen, der Hubsi Kramar dort früher einiges gemacht hat, noch vor dem Umbau. Und ich mit dem Hubsi Kramar einiges zu tun hatte, unter anderem in einem Stück gemeinsam gespielt, also eigentlich nicht gemeinsam gespielt – er hat geschrieben und inszeniert. Und wir ganz gut befreundet sind, eigentlich. Und ich aufgrund dessen auch gelegentlich im Kabelwerk bei Vorstellungen war. Und das ist der Bezug, und die jetzigen Betreiber des Palais Kabelwerk, das ist der Erich Sperger und der Kurt Sedlak, die kenne ich auch aus dem Umfeld des Hubsi Kramar, weil der Erich Sperger ja ein begnadeter Maler und Bühnenbildner ist, und auch für den Hubsi einiges gemacht hat. Und der Kurt Sedlak damals im legendären Residenztheater im Museumsquartier noch quasi Intendanz ausgeübt hat. Das ist mein Bezug zum Kabelwerk. Und ich war jetzt schon dort, und habe mir den Umbau angeschaut, und es ist wirklich super geworden. Also ich bin zuerst einmal erschrocken, wie ich die hohen glatten Beton-Wände gesehen habe, da habe ich mir gedacht, das ist akustisch bedenklich. Und dann habe ich gesehen, eben diese phänomenalen Wärme, nicht Wärme, wie heißt es, Akustikplatten, die sie da eingebaut habe, die nämlich, und daher das Wärme, die aus Akustischer Energie Wärmeenergie gewinnen, was auch ganz toll ist. Die Akustik ist überraschend gut. Abgesehen davon mag ich diese kargen Säle, wo dann die Konzentration stark aufs Theater möglich ist.
dasKabelwerk.at:Warum soll sich jemand das Stück „Zur Genüge bösartig“ ansehen?
Brix: Ich finde, es ist uns gelungen, ein Stück auf die Beine zu stellen, daß einfach sowohl optisch, als auch inhaltlich, als auch die theatralischen Gesetze berücksichtigend, interessant ist. Also es sollte in irgendeiner Form zwischen packend, unterhaltend, und zwischen den Zeilen auch kritisch, sein. Und ich würde sowas gerne sehen, wie wir das gerade machen. Also ich bin neugierig, wie dann ein ganzer Abend damit funktioniert. Es sind jetzt noch im zerstückelten Proben. Aber wenn man bedenkt, daß die Meisten von denen, die auf der Bühne stehen, Amateure sind, und nur zwei, drei eigentlich wirklich Bühnenerfahrung haben, und teilweise eine glaube ich überhaupt nur Theaterstücken, die andere haben Kabarett gemacht, und es sind noch welche dabei, die noch nie vor Menschen gespielt haben, ist das wirklich von guter Qualität. Ich bin von Probe zu Probe mehr begeistert, und glaube schon fest dran. Das wird schrill werden.
dasKabelwerk.at: Wann und wo wird „Zur Genüge bösartig“ aufgeführt?
Brix: Wir werden Premiere haben im Wiener Kabelwerk, im Palais Kabelwerk genau, im Theater dort, und zwar am 11. Mai, das ist ein Dienstag. Wir spielen es dann auch noch weiter am 12., am 21. Und 22. Mai. Im Wiener Kabelwerk Weil wir uns natürlich freuen, wenn Leute kommen täten.
dasKabelwerk.at: Was gibt es über die Zukunft zu sagen?
Brix: Naja, über die Zukunft. Ich spiele halt meine Programme weiter, meine Kabarett-Programme in erster Linie, habe aber heuer ein großes Projekt vor Ende November, im Herbst am Burgtheater. Ich mache einmal im Jahr ein großes Benefiz, das nennt sich „Zum Todlachen“. Das kommt einer Idee von Otto Tausig zugute, der eine Vereinigung „Künstler für Entwicklungshilfe“ ins Leben gerufen hat. Und das mache ich jetzt schon das dritte Jahr, nachdem ich das Jugendstil-Theater am Steinhof abhandengekommen ist, weil das ja angeblich renoviert werden soll, habe ich ganz verzweifelt ein neues Theater gesucht, und siehe da, das Burgtheater hat mir seine Pforten geöffnet, und da werden wir heuer ein ziemliches Spektakel veranstalten. Das wird klass, da freue ich mich schon. Ich hoffe, es werden viele Leute kommen, weil es für einen guten Zweck ist.
dasKabelwerk.at: Was spielen Sie sonst noch, wo kann ich weitere Informationen über Ihre Programme erhalten?
Brix: Naja, wie heutzutage am einfachsten, übers Internet: www.brix.at. Da steht alles drauf über mich, und meine Programme, und die Termine. Und da kann man ja schmöckern, was für eine Art von Kabarett ich mache, und welchen Inhalts die sind, weil ich ja Wert darauf lege, daß da ein bisserl ein Inhalt ist, und nicht nur Geblödel. Das denke ich mir mal, daß interessiert eine bestimmte Menge Menschen, die kommen dann, hoffentlich.
„Zur Genüge bösartig“ – mit Werner Brix, ab 11. Mai 2010 im Palais Kabelwerk.