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Wien Wahl 2010: Franz Schodl (Pro Hetzendorf) im Gespräch

Am 10. Oktober 2010 wird in Wien der Gemeinderat sowie die Bezirksvertretung gewählt. dasKabelwerk.at spricht dazu im Rahmen eines Themen-Schwerpunkts mit den Spitzenkanditaten der wichtigsten Parteien. Im vierten Teil hat dasKabelwerk.at mit Franz Schodl gesprochen. Er ist Spitzenkandidat für die Bürgerliste „Pro Hetzendorf“.


Franz Schodl (Pro Hetzendorf)



dasKabelwerk.at: Hallo Herr Schodl! Für die Leute, die sie noch nicht kennen, können sie ein bisschen was über sich erzählen?
Franz Schodl: Ja, also zu meiner Person. Ich bin jetzt gerade 60 Jahre alt geworden, bin schon knapp 20 Jahre in der Bezirksvertretung als Bezirksrat. War die ersten Jahre bei den Grünen, als parteiloses Bezirksratsmitglied. Bin dann von den Grünen weg und ein freier Mandatar gewesen, bis ich dann 2001 mich entschlossen habe, eine Bürgerliste zu gründen und auch zu kandidieren. Und seit 2001 ist Pro Hetzendorf mit einer Stimme, mit einem Sitz, in der Bezirksvertretung Meidling. Beruflich gesehen war ich bis vor wenigen Jahren im Lehrberuf tätig, AHS Lehrer. Und bin aber vorzeitig ausgeschieden aus dem Beruf, aus verschiedenen Gründen und muss halt jetzt mit etwas weniger Pension auskommen, aber es ist es mir wert, meine Freizeit und mein Privatleben so zu führen, wie ich es will.  

dasKabelwerk.at: Sie treten mit ihrer Liste Pro Hetzendorf bei den Bezirksvertretungswahlen in Meidling an, warum tut man sich so was an?
Schodl: Warum man sich so was antut? Grundsätzlich ist immer stärker der Eindruck aufgekommen, dass gewisse Bezirksteile Meidlings nicht so gut vertreten sind in der Bezirksvertretung, wie man es sich wünschen würde und insbesonders dort, wo eben gewisse Schwerpunkte, die Leute betroffen machen. Zum Beispiel Entwicklungen wie immer mehr Verkehrsaufkommen, die Lärmbelastung, Abgasbelastung einerseits. Dann aber auch sei es der Fluglärm zum Beispiel, durch Hubschrauber, durch Landeanflüge von Flugzeugen in Richtung Schwechat. Das laufend Flächenwidmungen stattfinden, die Grünland in Bauland umwidmen und das geht jetzt schon mindestens 25 Jahre so. Das heißt mit einem Wort, es ist insbesonders der Bereich Hetzendorf ja anders strukturiert, mehr Grün vorhanden, gewesen, zumindest. Und immer noch mehr Grün vorhanden als in anderen Bezirksteilen, aber man hat das so stark beschnitten mit verschiedener Flächenwidmungen und Aufzonungen, das heißt also Bauhöhenverdichtung, daß man jetzt schon wirklich am Rande ist und nicht mehr länger zusehen kann und das schon lange Zeit nicht mehr zusehen kann, das es so weitergehen soll. Und deswegen, weil eben die Grünpolitik und Umweltpolitik und auch Verkehrspolitik nicht so richtig greifen, wie es eigentlich gehört, haben wir uns entschlossen mit Pro Hetzendorf zu kandidieren.  

dasKabelwerk.at: Sie könnten ja auch als Bezirksrat für eine andere Partei kandidieren, warum sind sie mit den anderen Parteien nicht zufrieden?
Schodl: Die anderen Parteien wie gesagt sind was Hetzendorf betrifft, nicht oder oftmals nicht so interessiert gewesen, diese Entwicklung zu lenken bzw. einzubremsen. Und deswegen war dann der Ruf nach einer Bürgerliste oder nach einer Partei, wie auch immer, hier die Interessen, die in Hetzendorf massiv vertreten sind, entsprechend hineinzutragen ins Bezirksparlament.  

dasKabelwerk.at:  Wieviele Stimmen benötigt man für ein Mandat in der Bezirksvertretung?
Schodl: Das kommt auf die Wahlbeteiligung an und auf die Bewohnerzahl des Bezirks. Ungefähr würde ich sagen naja, 800, 700-800 Stimmen sind notwendig, damit man ein Mandat erreichen wird können.  

dasKabelwerk.at: Wie sind sie zur Politik gekommen?
Schodl: Zur Politik bin ich gekommen, vor etwas mehr als 20 Jahren. Durch eine eigene Betroffenheit, da ging es auch neben dem Schloss Hetzendorf um eine Umwidmung von Grünland in Bauland, Grünland, das war damals Kleingartensiedlungen und man hat es umgewidmet in Bauland. Beides, also dieses Grundstück war im Eigentum der Stadt Wien und man hat in kurzer Hand umgewidmet für eine Volksschule. Für den Neubau einer Volksschule, wobei die alte Volksschule damals eigentlich in einem recht guten Zustand gewesen ist. Man hätte sie nur renovieren müssen. Nicht einmal sanieren müssen, sondern nur renovieren müssen. Aber bei einer Renovierung hätte der Bezirk diese Kosten übernehmen müssen, bei einem Schulneubau hat es die Stadt Wien, das heißt das Rathaus übernommen. Und das war offensichtlich der Grund, weshalb man gesagt hat, das soll die Stadt Wien zahlen und nicht der Bezirk, deswegen die Umwidmung, aber zu Lasten von dutzenden Kleingärten, die damals dann geschleift worden sind.  

dasKabelwerk.at: Wozu braucht man heutzutage eine Bezirksvertretung? Viele Gesetze kommen ja jetzt aus Europa. Ist aus ihrer Sicht die Institution der Bezirksvertretung notwendig und sinnvoll?
Schodl: Sie ist auf jeden Fall notwendig und auch sinnvoll. Weil hier es geht meistens um den Lebensbereich im Grätzel. Um die Lebensqualität, im Grätzel und im Wohnumfeld. Also das sind also Alltagssorgen, die die Menschen beschäftigen. Und im Kleinen wie im Großen fällt das immer wieder dann auf die Bezirksarbeit zurück.  

dasKabelwerk.at: Was können sie konkret in der Bezirksvertretung bewirken?
Schodl: Was ich bewirken kann und auch will, das ist in erster Linie, Mängel aufzeigen, Fehlentwicklungen aufzeigen und Vorschläge einbringen, wie man es besser machen kann. Natürlich muss ich mir Verbündete suchen, denn ohne eine Mehrheit kann man auch nichts bewegen.  

dasKabelwerk.at: Ihre Bürgerliste trägt den Namen Pro Hetzendorf. Ist die Einschränkung auf Hetzendorf aus ihrer Sicht ein Vorteil? Protestwähler aus anderen Bereichen Meidlings tun sich vielleicht ein bisschen schwer damit?
Schodl:  Es ist bewusst damals aus einer sehr knappen Zeit entstanden, diese Bewegung, Pro Hetzendorf. Wir haben uns kurzfristig entschlossen zu kandidieren und weil eben damals in Hetzendorf beispielsweise dieses große Projekt, Big Point, diese Hochhäuser in Planung waren, damals war das also ein Aufhänger sozusagen, und da war natürlich die räumliche Begrenzung durchaus logisch. Aber manchmal ist es auch so, dass wir über unsere Grenzen hinaus agieren, Beispiel jetzt einmal die Marillenalm-Geschichte, wo dieses Grünland am Tivoli umgewidmet worden ist, aber jetzt wieder zurückgewidmet werden soll. Das ist also angrenzend an Hetzendorf oder auch der Bereich Hoffingersiedlung ist eigentlich katastralmäßig schon zu Altmannsdorf gehörig, aber wenn mich von dort Leute kontaktieren, zu Pro Hetzendorf anrufen, dann natürlich werde ich auch die Interessen dieser Leute vertreten. Wie es schon geschehen ist.  

dasKabelwerk.at: Wenn sie jetzt zurückblicken auf die letzten fünf Jahre, was waren aus ihrer Sicht die wichtigste Themen?
Schodl: Die wichtigsten Themen waren auf jeden Fall die Flächenwidmungen, die immer wieder geschehen, sehr zum Wohle der Bauwerber und der Investoren und zum Nachteil und auf Kosten der Bewohner dieses Gebietes. Das sind einmal die Umwidmungen, die Stadtplanung. Weiters damit zusammenhängend die Verkehrsentwicklung und auch das Abhandenkommen von Grünflächen öffentlichen Charakters. Das heißt also man nimmt den Menschen immer mehr Grünflächen weg, die eigentlich Neuerholungsgebiet sein sollten. Und reduziert das Ganze auf privates Grün, das aber in Eigentum von Einfamilien- bis Hausbesitzern steht und dadurch der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Also das sind die Schwerpunktthemen. Aber auch dann zB der Fluglärm, der uns in Meidling sehr sehr betroffen macht. Auch der Bahnlärm, also wir haben auch mehrere Bahnstrecken quer durch Meidling. Und aus dem Grund, ein großes Thema ist. Was uns aber auch sehr wichtig ist, das ist das Leben von direkter Demokratie. Das heißt, der Bürger soll mitbestimmen können. Er soll nicht nur gefragt werden, er soll auch mitbestimmen können. Und das wäre zB durch Bürgerbeteiligung im Sinne von Bürgerbefragung, aber auch Mitwirken bei Verkehrslösungen zB. bei Lösungen, wie man einen Grünraum erhalten und gestalten kann und so weiter. Also das sind die Themen, die in Meidling immer schon wichtig gewesen sind und insbesondere auch Hetzendorf betroffen haben.  

dasKabelwerk.at: Wo sehen sie die Themen für die nächsten fünf Jahre?
Schodl: Die nächsten fünf Jahre werden sicherlich geprägt sein von den Themen, die bis jetzt auch schon unter den Fingernägel gebrannt haben, das waren sicherlich einmal der Fluglärm, sei es jetzt die Landeanflüge quer über Meidling in Richtung Schwechat, aber auch die Stationierung, nach wie vor die Stationierung der Flugpolizei in Meidling und die uns sehr zu schaffen macht. Auch mit Nachtflügen. Das ist das eine. Das andere ist der Bahnlärm, Verbindungsbahn, dann Donauländebahn, aber auch die Südbahn, mit sehr hohen Frequenzen, die uns sehr sehr zu schaffen machen. Dann weiters es gibt nach wie vor gewisse Strömungen, immer noch vorhandenes Grün umzuwidmen in Bauland, siehe Hundewiese beim Marschallplatz. Das ist der letzte Acker Hetzendorfs, der aber genützt wird, als Freifläche, die öffentlich zugänglich gemacht wurde. Das wird so toleriert. Das heißt also es werden auch hier Flächen immer wieder beäugt um dann vielleicht umgewidmet zu werden von Seiten der Stadt Wien. Es wird sicherlich auch ein Thema sein, wie man mit den Bürgern umgeht, im Bezirk, was die Mitsprache betrifft, bei Projekten. Wenn ich denke, dass das Projekt Komet-Hochhaus in Meidling so viel Proteststimmen hervorgerufen hat im Flächenwidmungsverfahren und die alle samt unter den Teppich gekehrt worden sind, also glatt ignoriert worden sind, diese Unterschriften, dann muss man sagen, das wird noch ein sehr heißes Thema werden in Meidling. Die Verkehr, die Lärmentwicklung durch den Verkehr und natürlich auch in gewissen Wohnbereichen Meidlings, das Zusammenleben von Menschen, das vielleicht nicht immer friktionsfrei ist.  Als weiterer Themenschwerpunkt wird sicherlich sein, was Hetzendorf betrifft, die Einkaufsmöglichkeiten zu verbessern, bzw. darauf zu achten, daß die Geschäftsleute nicht unter die Räder kommen und von großen Supermärkten im Umfeld dann ganz sozusagen zerstört werden. Ein weiterer Punkt wäre dann auf jeden Fall noch die Bürgermitsprache, die Bürgermitbestimmung durch Befragungen bzw. durch Mitarbeit zu wichtigen Themen und auch dann auch die Wünsche, die sind ja nicht zur Einzelwünsche, sondern auch gemeinsam vorgetragene Wünsche, umzusetzen .

dasKabelwerk.at: Sie sind – wie sie bereits erwähnt haben – seit vielen Jahren in der Politik. Das „Kabelwerk“ war für den Bezirk ein sehr großes Projekt. Wie sehen Sie hier die Entwicklung?
Schodl: Die Entwicklung hatte sicherlich keinen guten Beginn, weil die ganze Entwicklung von den Flächenwidmungen her, von der Planung sicherlich überzogen war. Was das Bemühen betrifft, möglichst viele Menschen in diesem Gebiet anzusiedeln. Und davon ausgehend konnte man nicht erwarten, dass eine friktionsfreie Entwicklung stattfinden würde, zwischen so vielen Menschen verschiedener Herkunft, verschiedener Lebenseinstellungen und verschiedener sozialer Schichten auch, und so gesehen ist diese Besiedlungsdichte von der Planung her schon meines Erachtens, und da werde ich sehr bestätigt von, auch von Experten, das es einfach zu viel war. Zu viel Gewinnmaximierung von Seiten der Bauwerber auch angestrebt worden ist und das ist sicherlich keine gute Ausgangsposition gewesen, für eine gedeiliche Entwicklung im Zusammenleben. Und jetzt gilt es meines Erachtens, was auch schon ansatzweise gelungen ist, einiges ins Lot zu bringen. Ob es auf Dauer und zur Gänze zur Zufriedenheit Aller geschehen wird können, das wage ich zu bezweifeln. Das Grundübel war, das man damals schon vor Jahren, als es noch um die Planung gegangen ist, und um die Flächenwidmungen, Raumplanung, das man hier einfach zu viel Menschen ansiedeln wollte, und das kann nicht gut gehen.  

dasKabelwerk.at: Die Wahlen sind am 10. Oktober 2010. Was erwarten sie von der Wahl? Was ist Ihr Wahlziel?
Schodl: Grundsätzlich erwarte ich von der Wahl, das einmal ein Aderlass der Macht stattfindet. Ich sag das einfach so deswegen, weil es niemanden gut tut, wenn er auf Jahre hinaus die absolute Mehrheit ausüben kann, es ist viel zu verlockend dann diese Kommunen oder die Länder einfach als sein eigen zu betrachten und das ist auch in jedem Fall in Wien gegeben, wie sich unsere Mehrheitspartei in Wien gebärdet, im Rathaus aber auch im Bezirk, das ist schon unerträglich geworden. Und ich erwarte mir auf jeden Fall das die absolute Mehrheit gebrochen wird, im Rathaus und aber auch im Bezirk. Und nur dann sozusagen kann man wiederum rechnen, dass hier die Herrschaften vom hohen Ross auf den Boden der Wahrheit und der Realität zurückgeführt werden und dann auch gedeilichere Politik wieder möglich sein wird. So viel zum Allgemeinen. Was jetzt die Liste Pro Hetzendorf betrifft, erwarte ich mir und erhoffe ich mir vor allem, dass wir unser Mandat halten können und jede Stimme, die uns noch darüber hinaus zukommt, wird uns eine Freude sein. Und es wäre ein sicherlich sehr schönes Ergebnis, wenn wir ein zweites Mandat erringen könnten. Aber ich bin bescheiden genug und realistisch genug zu sagen, wir werden auf jeden Fall danach trachten müssen, das eine Mandat zu halten. Wir haben gewisse Stammwähler sozusagen, weil sie wissen unsere Arbeit gut zu schätzen. Und dennoch ist es sicherlich schwierig hier zu bestehen und nicht zerrieben zu werden zwischen den Großparteien.  

dasKabelwerk.at: Herr Schodl, Vielen Dank für das Interview.  
Schodl: Ich danke ihnen auch, dass sie sich die Mühe gemacht haben.



Franz Schodl ist Spitzenkandiat der Bürgerliste "Pro Hetzendorf".

http://www.hetzendorf-pro.at/



In einigen Tagen folgt der letzte Teil des Themen-Specials „Wien Wahl 2010“. dasKabelwerk.at im Gespräch mit Gabriele Votava (SPÖ).


 

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