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Wien Wahl 2010: Helga Widder (Die Grünen) im Gespräch

Am 10. Oktober 2010 wird in Wien der Gemeinderat sowie die Bezirksvertretung gewählt. dasKabelwerk.at spricht dazu im Rahmen eines Themen-Schwerpunkts mit den Spitzenkanditaten der wichtigsten Parteien. Im zweiten Teil ist dasKabelwerk.at bei Helga Widder zu Gast. Sie ist Spitzenkanditatin der Grünen in Meidling.


Helga Widder (Die Grünen)



dasKabelwerk.at: Hallo Frau Widder! Für die Leute, die sie noch nicht kennen, können sie ein bisschen was über sich erzählen?
Helga Widder: Ja, gerne. Ich bin an sich schon über 20 Jahre in der Grünen Politik, ich war also ursprünglich im 23. Bezirk, hab also aus beruflichen Gründen dort ein bisschen reduziert, war ganz ganz stark aber immer im Vorstand der Grünen Frauen vertreten. Und wurde also vor circa 4-5 Jahren gebeten, ob ich vielleicht hier auch etwas mitarbeiten mag oder kann und ja, so hat sich das dann entwickelt, dass wir hier gemeinsam doch etliche neue Strukturen aufgebaut haben und deshalb wurde ich auch gefragt, ob ich für diesen Spitzenplatz kandidieren möchte, was ich sehr gerne tue. Weil Bezirkspolitik auch immer so was Lebendiges ist. Und das macht dann schon Spaß, auch wenn es doch manchmal auch Nerven kostet, aber der Spaß überwiegt meistens.  

dasKabelwerk.at: Welchen Bezug zu Meidling haben Sie?
Widder: Naja, ich war ja im 23. Bezirk, das heißt Meidling ist immer ein Nachbarbezirk, wo man also auch immer, ich hab zwei erwachsene Töchter inzwischen, also wo wir auch immer am Markt gegangen sind und einkaufen sind, Meidlinger Hauptstraße war immer ein ganz ein gute Einkaufsstraße für uns. Da gibt es ganz viele Nahbeziehungen eigentlich. Ja.  

dasKabelwerk.at:  Welche Plätze in Meidling sind ihre Lieblingsplätze?
Widder: Naja, da gibt es die Marillenalm, die ich jetzt überhaupt sehr sehr schätzen gelernt habe, nachdem sie ja jetzt hoffentlich doch auch gerettet ist und das ist ein ganz ein traumhafter Platz ist, wo man wirklich die Seele baumeln lassen kann und relaxen und die unbedingt erhalten bleiben muss. Aber ich genieße auch eben die Meidlinger Hauptstraße mit ihrem Leben, mit ihrem vielfältigen Leben, also da gibt es schon einige nette Plätze hier.

dasKabelwerk.at:  Wir befinden uns in ihrem neuen Bezirksparteilokal. Ist Meidling für die Grünen wichtig?
Widder: Meidling ist ganz sicher für die Grünen wichtig und speziell natürlich für unsere Bezirksgruppe und es war ganz ganz notwendig hier einen fixen Standort zu haben. Zum ersten um Kontakt mit den Leuten besser noch haben zu können, um einen fixen Anlaufplatz zu haben, aber natürlich auch aus organisatorischen Gründen, weil man einfach seine ganzen Ordner und seine ganzen Unterlagen hier haben muss. Aber vorrangig eigentlich doch Kontaktaufnahme mit der Bevölkerung hier und wir haben da großes vor, wir wollen eigentlich so Begegnungszentren oder Mädchencafe, also ganz viel auch hier an verschiedenen Strukturen und ja, verschiedenen Möglichkeiten schaffen.  

dasKabelwerk.at:  Wenn sie sich an die letzten fünf Jahre zurückerinnern, auf Bezirksebene, was waren da die Themen, wo sie sagen, das sind wichtige Themen für die Grünen gewesen?
Widder: Also das letzte ganz große Thema war eben die Marillenalm. Es war einfach so, Tivoli, Springerpark, Marillenalm, hier ist wirklich Unglaubliches für Wien geschehen. Hier konnte verhindert werden, das ein Gebiet verbaut wird, das einfach eine grüne Lunge in Meidling ist und sogar wieder rückgewidmet werden. Also das ist wirklich eine ganz ganz einmalige Sache, die natürlich aufgrund der Bürgerinneninitiativen ihren Ursprung hatte, aber ich freue mich wirklich sagen zu können, das wir als Grüne, als wirklich einzige Partei voll hinter den Leuten gestanden sind, und sie unterstützt haben, wo es gegangen ist. Und wir freuen uns wirklich riesig, das es auch gelungen ist.

dasKabelwerk.at: Wo sehen Sie Themenschwerpunkte in den nächsten 5 Jahren?
Widder:  Also der ganze Bereich Grünraum, Grünraumerhaltung, Schaffung neuer Grünräume oder Adaptierung von Grünräumen ist also gerade hier in Meidling ein wichtiges Thema. Aber auch natürlich diese Beteiligung der Bevölkerung. Es muss möglich sein, das die Bevölkerung mehr Mitsprache hat und nicht einfach nur mit Tatsachen vor den Latz geknallt kriegt, und die dann einfach zu schlucken hat. Das kann nicht sein, die Bevölkerung ist mündig genug, um einfach mit zu entscheiden. Was ein Thema natürlich auch ist, ist dieser Lärm, der durch die Hubschrauber den Bezirk zu einem Teil tyrannisiert. Wir haben also da schon x Anträge gestellt, auch weitergegeben. Also es muss eine Absiedelung der Hubschrauberlandeplätze dort geben. Wir hatten schon eine riesen Veranstaltung dazu. Also das ist nicht einzusehen, dass diese Hubschrauber dort wirklich ihren Platz haben. Im Prinzip ist natürlich der zunehmende allgemeine Fluglärm ganz sicher auch ein riesen Problem. Wir wissen von den anderen Bezirken, dass das fast unzumutbar wird. Es ist die Tendenz steigend, also hier wird sich sicher auch das Bezirksparlament damit intensiv beschäftigen müssen und hier ein Veto einlegen. Es ist leider so, wenn eine Partei eine absolute Mehrheit hat, dann ist sie einfach nicht angewiesen auf die Stimmen der anderen Parteien und kann also relativ willkürlich hier agieren. Und genau das ist ein Punkt. Wir wollen diesen Punkt brechen sozusagen. Und wollen hier wirklich Mitsprache, auch der Parteien und wir wollen ein Miteinander und wir wollen eine sinnvolle Planung des Bezirks, ein Gesamtkonzept und nicht in einzelnen Teilen das zerlegen und ein großer Punkt ist auch, wir wollen Meidling nicht Spekulanten und Spekulationen überlassen, es gibt einige Beispiele, negativer Art. Ich denke nur an Komet, ich denke an die Fiat Gründe, Marillenalm war es ja schlussendlich auch. Also hier kommt das Wohl der Bevölkerung an erster Stelle und dann erst das Wohl von Leuten, die viel Kohle damit machen.  

dasKabelwerk.at: Der Stadtteil Kabelwerk ist ja für den Bezirk Meidling ein Vorzeigeprojekt. Wie sehen sie die Entwicklung der letzten Zeit?
Widder: Die Entwicklung ist sicher sehr begrüßenswert, es ist eine sehr tolle Entwicklung, das geht ja von kulturellen Veranstaltungen bis zu eben eigenen Medien, die es dort praktisch gibt und das ist sicher ein Vorzeigeprojekt des Bezirks. Also ich habe eben meinen Mann, der dort schon früher Fußball gespielt hat, wie das Ganze noch nicht in dieser Art vorhanden war. Ich hoffe, dass die grüne Hochburg, die wir dort jetzt haben, und da freue ich mich wirklich das sagen zu können, das wir die dort halten können oder sogar noch ausbauen.  

dasKabelwerk.at: Die Grünen hatten ja unter anderem mit dem Gleisdreieck beim Kabelwerk zu tun. Wie sehen Sie das?    
Widder: Wir hatten damals mit dem Gleisdreieck insofern zu tun, als wir schon gesagt haben, dass dort das Grundstück für geplante Wohnbauten absolut ungeeignet ist. Es ist einfach zu lärmbelastet, zu lärmbelastend und belastet und Gott sei Dank konnten wir uns dann damit durchsetzen.  

dasKabelwerk.at: Die Grüne Radrettung machte ja mehrfach im Kabelwerk Station. Worum geht’s da?
Widder: Die Grüne Radrettung möchte allen Leuten, die gerne mit dem Fahrrad fahren, so ein bisschen auch unterstützend unter die Arme greifen. Sie können sich dort allfällige kleine Schäden vielleicht anschauen lassen. Sie können aber auch meistens haben wir mit der Polizei ein Abkommen, das man sich dort also einen Code reingeben lassen kann, um vor Diebstahl zu schützen. Und ich freue mich auch da, das also gerade im Kabelwerk sehr viele Leute, die ja einfach von der Einstellung her, sonst würden sie wahrscheinlich auch nicht im Kabelwerk in einer autofreien Siedlung wohnen, doch ganz viel auf das Fahrrad zurückgreifen und das ist dort immer ein Bombenerfolg.  

dasKabelwerk.at: Mit dem mobilen Kleingrünmarkt machen sie seit einigen Monaten Station im Kabelwerk. Ist das für sie ein wichtiges Thema?
Widder: Natürlich, Grüne und gesunde Ernährung ist irgendwo etwas, das zusammen gehört und das ist uns auch sehr wichtig. Und nachdem also gerade auch der Meidlinger Markt eher nicht mehr so in seinem Höhenflug ist, wie er es einmal war, halten wir es für wichtig, das gerade so mobile Kleingrünmärkte wären für jedes Grätzl wichtig. Hier wird nämlich wirklich Obst und Gemüse und zwar Bio-Obst und Gemüse zu fairen Preisen aus der nächsten Umgebung verkauft. Und ich denke, das ist gerade im Kabelwerk auch ein sehr guter Erfolg, weil ich war selber schon einige Male dort und die Damen und Herren, die dort eingekauft haben, haben das eigentlich sehr genüsslich gemacht und also die Sachen, die ich gekauft habe, haben auch sehr gut geschmeckt.  

dasKabelwerk.at: Ist eine Fortsetzung nach den Wahlen geplant?
Widder: Das ist etwas, was auf Dauer geplant ist. Und das eigentlich noch kein Ende abzusehen ist. Also je nachdem, wie gut das angenommen wird, was im Kabelwerk ja passiert, ist das also, wenn ich jetzt sage, die nächsten vier, fünf Jahre, ein Thema, das es dort sicher geben wird.  

dasKabelwerk.at: Sind Initiativen von Parteien notwendig, damit so etwas passiert?
Widder: Das Problem ist natürlich, das gerade diese ganzen Geschäfte, diese ganz großen Supermarktketten, da gibt es zwei, drei in einer Hand, und die sind zum Teil nicht schlecht. Aber es ist, für mich persönlich ich bin ja auch eine altgediente Hausfrau und Mutter und Hausfrau, ist es einfach so, dass es schon ein bisschen synthetisch auf mich wirkt. Das ist überall gleich und egal wo man hingeht, wie diese ganzen globalisierten Geschäfte und ich persönlich liebe dieses ein bisschen Marktflair und die Abwechslung. Und da gibt es eben das, was gerade wächst und nicht das, was irgendwo ganz weit weg nur wächst und das daher gekarrt werden muss. Sondern das was jetzt zu dieser Zeit wächst und das sicher auch die meisten Vitamine und am gesündesten ist und ich denke, das ist auch ein wichtiger Weg und das ist auch einer, den man vielleicht den Kindern näher bringen sollte. Und das ist was, was noch als Nebeneffekt sozusagen dabei ist.  

dasKabelwerk.at: Sie waren in den Medien mit dem Thema Wärmedämmung, worum ist es da gegangen?
Widder: Bei diesem Thema ist es darum gegangen, dass speziell hier in Meidling, wo es natürlich sehr viele Gemeindebauten gibt, da wollten wir einmal schauen, wie funktioniert das mit der Wärmedämmung, wie viel Energie geht verloren. Und ich muss ihnen sagen, es geht verdammt viel Energie verloren. Oft bis zu 60-70% von den Häusern und es wäre ein dringender Nachholbedarf, die Gemeindebauten hier im Bezirk endlich nachhaltig zu sanieren.  

dasKabelwerk.at: Die Grünen haben bei der Gemeinderatswahl 2005 circa 12,5 % erzielt, auf Bezirksebene über 13 %, wo sehen sie die Ergebnisse am 10. Oktober 2010?
Widder: Ich versuche das realistisch einzuschätzen, aber ich denke schon, dass wir 15-16% mindestens machen sollten. Ich glaube, dass unsere Bemühungen die hier in etlichen Bereichen, sei es Marillenalm etc., von uns hier wirklich gemacht wurden und eingebracht wurden, von der Bevölkerung sicher honoriert wird.

dasKabelwerk.at:  Warum sollten Sie von einem Meidlinger, von einer Meidlingerin gewählt werden?
Widder: Die Leute sollen uns wählen, weil sie es einfach besser machen, weil wir mehr am Puls der Zeit sind, weil wir nicht in diesen verfilzten Systemen sind und weil wir ganz viel von Zusammenarbeit mit der Bevölkerung halten.  

dasKabelwerk.at: Was sind die nächsten Veranstaltungen, wo sie präsent sind, wo sie KabelwerkbewohnerInnen, aber auch MeidlingerInnen kennenlernen können?
Widder: Also wir haben wieder eine Radrettung am 16.9. Wir haben den mobilen Kleingrünmarkt am 23.9. und dann hoffe ich doch ganz ganz fest, dass wir am 17.9. hier die Eröffnung unseres Grünen Lokales haben wir am 17.9., das wir da auch ganz viele Leute vom Kabelwerk kennenlernen, die ich hiermit alle sehr herzlich einlade. Hier mit uns sich zu freuen, dass wir wirklich ein sehr schönes neues Lokal haben mit einem schönen Garten. Das Wetter wird sicher auch passen und wir sind schon mitten in den Vorbereitungen, und würden uns freuen, sehr sehr viele Leute aus dem Kabelwerk hier begrüßen zu dürfen.

dasKabelwerk.at:  Wie kann man mit den Grünen in Meidling in Kontakt treten?
Widder: Für alle die mit uns in Kontakt treten wollen, worüber wir uns sehr freuen, geht das natürlich über das Internet www.meidling.gruene.at. Wir haben ein sehr schönes neues Clublokal, das befindet sich also in Meidling, in der Ehrenfelsgasse 2. Das ist vis a vis vom Comet bzw. U4 Meidlinger Hauptstraße. Das ist nur einige Meter entfernt und es ist ein Eck und sehr leicht zu finden.  

dasKabelwerk.at:  Ich bedanke mich bei ihnen für das Interview.  
Widder: Ich bedanke mich bei ihnen, dass sie zu uns hergefunden haben in unser neues Clublokal. Sie sind so der allererste Journalist, der das geschafft hat. Und ja, ich würde mich freuen, wenn wir uns erstens bei der Eröffnung und dann natürlich nach dem 10.10. zu einem tollen Fest im Kabelwerk einfinden, wo wir mit all unseren alten und neuen Grünwählern und Wählerinnen feiern möchten.  



Helga Widder ist Spitzenkandiatin der Grünen in Meidling.

www.meidling.gruene.at
 



In einigen Tagen folgt der nächste Teil des Themen-Specials „Wien Wahl 2010“. Geplant sind Gespräche mit Dinko Jukic (ÖVP), Franz Schodl (Pro Hetzendorf) und Gabriele Votava (SPÖ).


 

Kommentare  

 
0 #1 2010-10-08 09:44
Gibt es Überlegungen zur Lösung des Verkehrs- u. Lärmproblems in der RUCKERGASSE?
Das damit verursachte Problem der Gebäude-Erschütterung durch den Bus- und LKW-Verkehr macht wohnen in dieser Straße zur Hölle!
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