Der Ausbau des Henkel-Werks geht in die nächste Runde, die vom Bezirksparlament beantragte BürgerInnenversammlung wurde - sehr kurzfristig - einberufen.
Meinung - Georg Hitsch
Bereits seit längerer Zeit gibt es umfangreiche Diskussion rund ums Henkel-Werk in 1120 Wien (Breitenfurter Straße 57). Seit 2006 wird das ehemalige Grundig-Werk von der Firma "Henkel Central Eastern Europe GmbH" zur Lagerung auf 40.000 Plattenplätzen genutzt. 60 MitarbeiterInnen sind an diesem Standort im 3-Schicht-Betrieb (Montag 6 Uhr bis Sa 6 Uhr) beschäftigt.
Wie das Unternehmen mitteilt, werden derzeit 140.000 Tonnen Waren pro Jahr umgeschlagen, das entspräche etwa 100 LKWs pro Tag.
Bereits seit längerer Zeit ist ein Zubau geplant. Mit diesem sollen weitere 12.000 Hochregallagerplätze - somit insgesamt über 50.000 Lagerplätze - für Paletten, sowie 4000m2 Co-Packing-Fläche geschaffen werden. Co-Packing bedeutet, daß wenn zB im Supermarkt eine 3er-Packung Flüssig-Waschmittel verkauft wird, diese 3 Artikeln mittels Co-Packing "zusammen" verpackt werden. Laut Pressesprecher Michael Sgiarovello soll diese Erweiterung ohne zusätzlichen LKW-Verkehr erfolgen. Dieses Zusammenverpacken sei bisher bei einem externen Dienstleister erfolgt. Somit wurde die Ware zuerst in die Breitenfurter Strasse gebracht, dort dann gelagert, dann zum externen Dienstleister zum Verpacken transportiert, und dann wieder zurück in die Breitenfurter Strasse. Letztlich erfolgte erst dann der tatsächliche Transport in den Handel. Vom Standort in Meidling werden derzeit Kunden in Österreich, Tschechien, Slowenien, der Slowakei und Kroatien beliefert, zukünftig soll auch Ungarn von Meidling aus beliefert werden. Durch die Erweiterung des Betriebes um eine das Inhouse-Copacking würde sich die Anzahl der LKW-Fahrten durch die geplante Erweiterung nicht erhöhen. Die Be- und Entladung werde vollautomatisch, geräusch- und emmissionsarm erfolgen. Zusätzlich soll eine bauliche Abschottung des Innenhofs durch das Hochregallager erfolgen, wodurch Lärm- und Geruchsemmissionen weiter verringert werden sollen. Die Fertigstellung sei für Oktober 2011 geplant. Als Investitionsvolumen werden 22 Millionen Euro angegeben. Durch die Erweiterung sollen 50 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.
Bereits seit mehr als zwei Jahren berichten Anrainer, speziell aus der Hoffinger-Siedlung, aber auch aus dem Kabelwerk von Geruchsbelästigungen. Der Geruch von Waschpulver wird - je nach Wetter- und Windlage - wahrgenommen. Einzelne BewohnerInnen berichten von "stechendem gesundheitsgefährdentem" Geruch. Anrainer direkt daneben können überhaupt keinen Waschmittelgeruch wahrnehmen. Auch im Kabelwerk eine sehr ähnliche Lage. Während der Großteil der BewohnerInnen überhaupt nichts davon mitbekommen hat, wollen mehrere Personen unabhängig voneinander den Waschmittelgeruch wahrgenommen haben.
Im April 2010 wurde das Thema bei einer Informationsveranstaltung des Bezirks erörtert (dasKabelwerk.at hat berichtet), auch im Mai 2010 war das Thema "Henkel-Geruch" im Kabelwerk ein Thema (Artikel auf dasKabelwerk.at). Nachdem einem Bericht in der Kronen-Zeitung vom 20.8.2010 kam es am 15. September 2010 zu einem Bürger-Treff, organisiert vom Franz Schodl, Meidlinger Bezirksrat für die Bürgerliste "Pro-Hetzendorf". Bei diesem wurde die Abhaltung einer BürgerInnen-Versammlung angeregt. Dieses wurde
auch bei einer Sitzung der Bezirksvertretung angeregt, und nun - sehr kurzfristig - durchgeführt.
Das zwischenzeitlich von Henkel erstellte Gutachten gibt als Grund für den Geruch den "typischen Eigengeruch" der Produkte beim Verladen an (vergleichbar mit dem Geruch im Waschmittel-Regal in einem Supermarkt). Es seien keine Fehler in der Lüftungsanlage feststellbar. Die Verbreitung des Geruchs sei abhängig von Windrichtung und Luftdruck. Es erfolge auch keine Umschüttung der Produkte. Mehrere Anrainer-Vertreter der Hoffinger-Siedlung konnten sich bei einer Betriebsbesichtigung vor Ort davon überzeugen. Auch weitere Besichtigungen für interessierte Anrainer seien grundsätzlich möglich.
Henkel plante eigentlich eine "eigene" Informationsveranstaltung. Durch den Beschluss des Bezirksparlaments auf Abhaltung einer BürgerInnen-Versammlung erfolge die Information nun bei dieser Veranstaltung des Bezirks.
Die Einladungen für die Veranstaltung am Dienstag, 7.12.2010 wurden im Kabelwerk zum Teil gar nicht, zum Teil am Samstag, 4.12.2010 (!) in die Postkästen verteilt. Auch die Medien wurden erst am Freitag, 3.12.2010 über die BürgerInnen-Versammlung infomiert (OTS-00034).
Bei der Veranstaltung am 7.12.2010 wird der Produktionsleiter das Projekt präsentieren. Neben einer Unternehmensvorstellung der Firma Henkel soll auch erklärt werden, was am Standort Breitenfurter Straße genau gemacht wird, und wo die Unterschiede zur "tatsächlichen" Produktion in Erdberg sind. Die für den Standort Breitenfurter Straße geplanten Massnahmen sollen ebenso vorgestellt werden, wie der Ablauf des Gewerberechtlichen Verfahrens und das im September/Oktober 2010 erstellte Geruchtsgutachten.
Während die Grünen, FPÖ und die Bürgerliste Pro-Hetzendorf das Thema seriös behandelt wissen möchten, ist die ÖVP eher zurückhaltend. Die SPÖ hat das Thema mehrfach bei Veranstaltungen diskuttiert. Die (nicht) verfügbaren Informationen - egal ob genaue Baupläne oder auch der Ablauf der Flächenwidmung - werden von den Oppositionspartien stark kritisiert. Natürlich möchte niemand den Wirtschaftsstandort Meidling schwächen. Die vielen tausenden AnrainerInnen möchten aber etwas mehr in das Projekt - mit derzeit 140.000 Tonnen Warenumschlag, und "offiziell" 100 LKWs pro Tag - eingebunden werden.
Nun warten alle gespannt auf die morgige BürgerInnen-Versammlung, und die dort verlautbarten Informationen.
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